Alice Salomon

 

 

Alice Salomons Leben und Werk

Alice Salomon (1872 – 1948) hat in Deutschland wesentlich die Entwicklung der sozialen Arbeit als Beruf sowie die nationale und internationale Frauenbewegung um die Jahrhundertwende gefördert und begründet.

Alice Salomon kam am 19. April 1872 in Berlin zur Welt. Ihre Generation erlebte die Unterdrückung und geistige Unfreiheit ihrer Eltern und nutzte jede sich bietende Chance, ihr Leben einmal besser zu gestalten. Viele von ihnen erbrachten aus dieser Motivation heraus außergewöhnliche Leistungen.

Im Alter von 21 Jahren lernte sie die „Frauen- und Mädchengruppen für soziale Hilfsarbeit“ kennen und kam auf diese Weise mit den verschiedensten Problemen der ärmeren Bevölkerungsschichten in Berührung. Damit hatte Alice Salomon ihre eigentliche Lebensaufgabe gefunden. Ihrer Natur entsprechend begnügte sie sich nicht mit ehrenamtlichem, freiwilligem Hilfsdienst, sondern erforschte die sozialen Probleme auch systematisch und wissenschaftlich. Ihre Doktorarbeit schrieb sie (ohne das Abitur abgelegt zu haben) über das Thema: „Die Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit“.

Bis zum Jahr 1933 reformierte Alice Salomon die gesamte sozialpädagogische Arbeit in Deutschland mit dem Ziel, weg von den Begriffen „Barmherzigkeit und Nächstenliebe“ hin zu den Begriffen „Gerechtigkeit und Arbeit“ zu kommen. Sie schuf das Berufsbild des modernen Sozialarbeiters und zeigte dabei zukunftsweisende Wege auf, die bis jetzt nicht abgeschlossen sind.

Eine Persönlichkeit wie Alice Salomon, die sich stark für internationale Zusammenarbeit und für die weltweite Friedensbewegung einsetzte – zudem noch jüdischer Herkunft – erregte zwangsläufig den Unwillen der damaligen Machthaber in Deutschland. Im Jahr 1933 löste sie ihre Schule auf, 1937 musste sie überstürzt nach Amerika emigrieren. Dort führte sie bis zu ihrem Tod im August 1948 ein zurückgezogenes Leben.


Alice Salomons Abschiedsbrief an ihre Freunde vor ihrer Emigration 1937 .

"Ich sage Ihnen schriftlich Lebewohl. Wenn dies in Ihre Hände kommt, habe ich Deutschland für immer verlassen. Aber ich gehe nicht ohne Abschiedswort.

Es ist mir offiziell mitgeteilt worden, dass „Juden“ – also in meinem Fall Christen jüdischen Blutes – die sich oft und lange im Ausland aufhalten, zur Vermeidung der Überweisung in ein Schulungslager, auszuwandern haben, und es sind mir 3 Wochen Zeit für die Liquidierung meines Lebens in Deutschland belassen worden.
Ich gehe zunächst zu den englischen Freunden und werde versuchen, bis zum Herbst ein Einwanderungsvisum für die Vereinigten Staaten zu erhalten.
Ihr alle wisst, dass ich nie etwas getan habe, was Deutschland schaden kann.
Ihr wisst, dass ich schon vor Antritt meiner Amerikareise den amerikanischen Freunden geschrieben habe, dass ich weder öffentlich noch unoffiziell über Deutschland reden werde, einerseits, weil ich nicht mehr befugt bin, deutsche Kulturbelange zu vertreten und andererseits, weil ich nichts Nachteiliges über das Land, in dem meine Familie 225 Jahre gelebt hat, aussprechen kann.
Ihr wisst, dass ich immer unerschütterlich an den Sieg des Guten in der menschlichen Natur geglaubt und dafür gelebt habe. Ich werde das alles auch weiter so halten nach dem Gesetz, nach dem ich angetreten.
Ich habe aus meiner christlichen Glaubenskraft alle Schicksale meines Lebens demütig aus Gottes Hand genommen. Ich nehme auch diese neue Wendung in der Gewissheit hin, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. So bin ich denen geneigt, auch die Anordnung zur plötzlichen Auswanderung als ein irdisches Manifest des göttlichen Willens zu deuten.
Ich gehe in ein Leben des Kampfes um Brot – aber guten Mutes in froher Zuversicht – völlig ungebrochen in geistiger und sittlicher Kraft, in meinem Wertgefühl, das nicht von außen beeinträchtigt werden kann. Das Eine, wozu meine Kraft nicht reicht, ist zum persönlichen Abschiednehmen. Ihr werdet verstehen. Ich bitte Euch, mir auch vorläufig nicht zu schreiben. Später, sobald ich weiß, wo ich bleibe, könnt Ihr durch meine engeren Freunde meine Adresse erfahren.
Ich bleibe auch in der Ferne die Euere. Immer in Leiden wie auch in Freude.

Getreu Alice"

Alice Salomon (1872 – 1948)

 

Links zu weiteren Informationen über Alice Salomon:

www.luise-berlin.de

Weitere öffentliche Einrichtung mit dem Namen: Alice Salomon

www.asfh-berlin.de
www.alice-salomon-schule-heilbronn.de
www.alice-salomon-berufskolleg.de

Friedhof "The Evergreens Cemetery" - Brooklyn NY.


Grabstelle der Alice-Salomon
aufgenommen im Jahr 2003